Am 10. Juli 2025 machten sich über 30 Gemeindevertreter:innen und Fachpersonen aus dem St. Galler und Vorarlberger Rheintal auf den Weg nach Winterthur – einer Stadt, die in den letzten Jahren einige Beispiele für zeitgemässe Veloinfrastruktur umgesetzt hat. Die Velotal-Exkursion sollte nicht nur Inspiration bieten, sondern vor allem konkreten Praxisbezug für alle schaffen, die in ihren Gemeinden den Veloverkehr fördern.
Vertreter der Abteilung Mobilität im Tiefbauamt der Stadt Winterthur begleiteten die Exkursion und stellten konkrete Massnahmen vor, mit denen die Stadt die Veloinfrastruktur verbessert hat. Insbesondere von Interesse waren die Umsetzung des neuen Netzelements Velobahnen. Diese werden auf Nebenstrassen gelegt, so dass sie für alle Velofahrenden von 8–80 Jahren genutzt werden können. Die Velobahnen werden in Winterthur unterschiedlich umgesetzt. Farbige Bänder und ein eigens entwickeltes Logo kennzeichnen die Route und schaffen eine klare visuelle Identität. Velofahrende erkennen auf den ersten Blick, dass sie auf einer durchgehenden, sicheren Verbindung unterwegs sind. Auf Abschnitten, an denen die Strasse saniert und der Strassenbelag neu aufgebracht werden muss, werden die Velobahnen vollflächig rot eingefärbt. Dies macht die Veloroute auch für den motorisierten Verkehr unmissverständlich sichtbar. Ein weiterer zentraler Ansatz: Winterthur kehrt den Vortritt zugunsten der Velorouten um, sobald mindestens halb so viele Velos wie Autos auf einer Strecke unterwegs sind. Diese verkehrsplanerische Massnahme setzt klare Prioritäten und trägt messbar zur Verlagerung des Verkehrs bei. Auf Hauptstrassen, wo der Platz für separate Veloführung in der Regel nicht ausreicht und sich vor allem geübtere Velofahrer:innen bewegen, werden überbreite Velostreifen angelegt – eine pragmatische Lösung, die trotzdem die Sicherheit und den Komfort erhöht.
Den Abschluss der Exkursion bildete eine Führung durch das Sulzerareal. Das ehemalige Industrieareal zeigt exemplarisch, wie Stadtentwicklung und nachhaltige Mobilität Hand in Hand gehen können. Die historische Bausubstanz wird erhalten und gezielt in neue Bauprojekte integriert – ein Ansatz, der industrielles Erbe mit zeitgemässer Nutzung verbindet. Hier entsteht ein lebendiger Stadtteil, in dem Fuss- und Veloverkehr von Anfang an mitgedacht werden. Dies wurde auch beim gemeinsamen Abschluss im Bistro des Skills Park erlebbar.
Die Velotal-Exkursion nach Winterthur hat verdeutlicht, dass eine systematische Veloförderung durch das Zusammenspiel verschiedener Massnahmen erreicht werden kann. Die vorgestellten Ansätze bieten Anwendungsmöglichkeiten für Gemeinden unterschiedlicher Grösse. Die Teilnehmer:innen aus dem Rheintal kehrten mit zahlreichen guten Umsetzungsbeispielen und der Gewissheit zurück: Die Velowende ist machbar.